Kolonialbauten in Quito
Rogelio Salmano Architekt beschreibt die Architektur mit den Worten: „Die Architektur - die Kunst des Raumes und der Zeit - und das urbane Gebilde ist ein Werk, welches permanent aktualisiert werden muss, indem alle Sinne ins Spiel gebracht werden.“ Die Wege zu den Kolonialbauten in Quito ist eine Zeitreise, die in Europa geboren wurde. Bei der Spurensuche in der städtischen Entwicklung Lateinamerikas gewinnt dieser Satz eine fast magische Bedeutung. Es ist der Autor Andreas Hofer, der die Erlebnisse und Erkenntnisse Karl Brunner in seinem Werk „Karl Brunner und der europäische Städtebau in Lateinamerika“ zusammenfasst und daran erinnert, dass die Spaziergänge durch die Altstadt Quito doch alles andere sind, als ein Erbe aufgebaut aus Traditionen und Werten dieser Region. Rogelio Salmano verfasste in diesem Werk das Vorwort.
Quito - Städtebau unter den Aspekten kulturellen Erbes Europa
Seit der Kolonialisierung Südamerikas sind viele Jahrhunderte vergangen. Mit den Unabhängigkeitskriegen gewinnt die Architektur der Städte in Lateinamerika neue Gesichter. Anfang des 21. Jahrhunderts diskutieren Architekten auf Messen und der Architektur-Biennale global über Trends, Nutzen, Effektivität, Umwelt, Nachhaltigkeit und Wachstum der Städte. Wandelt man durch das Gassen Quitos, auf den Spuren der Geschichte dieser Stadt rücken die Historie der Politik und Weltmacht eng aneinander. Möchte man mehr über das reiche Erbe aus der Kolonialzeit in Ecuador erfahren, rücken die Diskussionen der Gegenwart in weite Ferne. Den meisten Urlaubern wird erst auf einer Stadtführung bewusst, dass es sich bei der symmetrischen Anordnung der Stadt nicht um das Kulturgut der Ureinwohner Ecuador handelt. Viele Städte in Lateinamerika wurden von Spaniern und Portugiesen gegründet und verwaltet. Die Spur der kolonialen Städte findet im Kulturgut Europas ihren Anfang. Quito wurde 1534 gegründet. Die UNESCO wurde auf die weiß gekalkten Häuser mit ihren grünen Dächern aufmerksam und setzte die historische Altstadt 1978 neben Krakau in Polen als erste Stadt der Welt auf die Liste des Weltkulturerbes. Neben den sakralen Bauten wie der Kirche San Francisco, der Jesuitenkirche La Companía und der Kirche San Augustin, in der die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde, zieht es die Urlauber zu den Kolonialbauten in Quito.
Kolonialbauten in Quito wurden ausgezeichnet
Mit den Kolonialbauten in Quito beschäftigten sich die Historikerin Ximena Escudero und der Architekt Jesús Loor. Sie sammelten Material und stellten eine einzigartige Sammlung heraus. Auf den Erkenntnissen basierend, zeichnete das Instituto Metropolitano de Patrimonio 14 dieser Häuser aus. Seit Ende 2011 findet man an 14 der zahlreichen Kolonialbauten eine Gedenk- und informative Tafel. Dazu gehören Museen, ein Hotel, sakrale Bauten, Amtshäuser und private Bauten. Viele Häuser sind leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Es gilt drei der Gebäude zu benennen, die Casa Terán Robalino an der Ecke Venezuela und Rocafuerte, die Casa de las Velas in der Flores-Straße und die Casa de José Mejía Lequerica in der Maldonado-Straße. Um die Casa de Benalcázar besichtigen zu können, achte man bitte auf den Veranstaltungskalender. Nur die Events erlauben eine Besichtigung. In der Straße Garcia Moreno y Espejo wartet ein Pfarrhaus im kolonialen Stil. Im Pfarrhaus El Sagrario reicht eine freundliche Nachfrage aus und ein Pfarrer erzählt die ganze Geschichte. Gleiches gilt für die Casa de la Virgen an der Kreuzung Rocafuerte und Maldonado und für die Casa es S.j. in der Garcia Moreno y Manabi. Für das zuletzt genannte Haus richte man die Anfrage an die benachbarte Kirche.
Kurzporträt Kolonialhäuser
In den wesentlichen Zügen gleichen sich die Kolonialbauten, die letztendlich der Stadt ihren Charme verleihen. Jedes Haus besitzt einen Innenhof, in dessen zentraler Mitte ein Brunnen oder uralte Bäume stehen. Oft sind die Häuser weiß gekalkt. Im oberen Stockwerk befindet sich eine Galerie mit Blick auf den Innenhof. In den Räumen wandelend, trifft man auf Säulen aus Stein oder Holz. Selbst die Fassade und die Raumaufteilung gleichen einander. Dieses Phänomen gilt es, unter anderem in der Casa Montufar und explizit in der Casa Cadisan, zu beobachten.
Herausragende Kolonialbauten in Ecuador
Das Haus Cadisan befindet sich an der Straßenecke García Moreno und Mejía. Das Haus „Casa de Diego de Sandoval“ entstand im 16. Jahrhundert. Das Grundstück blieb bis 1995 im Besitz dieser Familie. Heute wirken und arbeiten auf den insgesamt 1.361 m² das Finanzinstitut und ein Teil der Stadtverwaltung. Im Innenhof stehen noch die uralten Bäume, die den Platz vor dem Restaurant im Innenhof bereichern.
Unter den Kolonialhäusern in Quito gibt es auch drei Museen und ein Kulturzentrum, welches ebenfalls ein Museum beherbergt. Das Museum Arte Colonial findet man an der Ecke Mejia und Cuenca, das Museum Casa del Alabado in der zuletzt genannten Straße. Die Kunstmuseum Casa Muñoz Mariño befindet sich im Stadtteil San Marcos. Es ist das Haus der beiden Künstlerinnen Brigida und Gertrudis Salas und besitzt einen der schönsten Innenhöfe. Seit Februar 2010 fanden dauerhaft die Werke des Künstlers, dessen Name das Haus nun trägt, das Ende ihrer Reise. Im Centro Cultural Metropolitano befindet sich heute das Museum Alberto Mena Caamaño. In der Geschichte jedoch war es bereits Teil der Universität, bischöflicher Sitz und nach der Vertreibung der Jesuiten ein Gefängnis.
Es bleibt last but not least das Hotel San Francisco zu erwähnen, welches sich an der Kreuzung Guayaquil und Sucre bettet und selbstverständlich für das breite Publikum seine Toren und Türen öffen hält.
Quellen:
- Karl Brunner und der Europäische Städtebau in Lateinamerika von Andreas Hofer
- Pressemitteilung Quito XSP GmbH Frankfurt a Main Dezember 2011
- www.quito.com.ec
- Apa-Guides Südamerika Spezial
- museoacuarelaydibujo.com
Bildquelle: Presse Quito
Bild unten: Daniel Kempken / pixelio.de