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13 May

Umgang mit Unterwegs - A. Freiher von Knigge

Veröffentlicht von eine-reise-wert  - Kategorien:  #Apodemik oder die Kunst zu Reisen

"In Deutschland hat man mehr als in anderen Ländern Ursache, wegen des sehr verschiednen Münzfußes sich beim Geldwechseln in Acht zu nehmen, und es ist etwas sehr Gewöhnliches, dass schelmische Gastwirthe den Fremden dabei hintergehen, oder ihm auf Gold Münze heraus geben, die er auf der nächsten Post nicht brauchen kann.

In manchen Gegenden, besonders im Reiche, ist es vortheilhafter und geht dennoch eben so schnell, (besonders wenn man in der Stadt verweilt) sich durch sogenannte Hauderer oder Miethkutscher fahren zu lassen; in andern hingegen kommt man am besten mit Postpferden fort. Im erstern Falle ist es nicht gut, einen eigenen Wagen zu haben, wenigstens ist dann selten Vortheil dabei. Es gibt auch Landschaften, in welchen man am bequemsten und nützlichsten zu Pferde reist, und andre, wo man seinen Zweck am vollkommendsten erricht, wenn man zu Fuße wandert.

Leute von gewissem Stande pflegen Tag und Nacht fortzurollen, ohne sich unterwegs aufzuhalten. Dies mag recht gut sein, wenn man die theuren Zehrungen in den Wirthshäusern ersparen will, wenn man eilig ist, um den Ort der Bestimmung zu erreichen, oder wenn man mit den Gegenden, welche man durchreist, schon so bekannt geworden, daß man da nichts mehr sehn kann, das unsre Beobachtung werth wäre. Außerdem aber rathe ich, lieber kleine Reisen aufmerksam zu unternehmen, als große, auf denen man bis in die Hauptstädte hinein nur Postmeister und Postknechte kennen lernt.

Auch mische man sich, wenn es uns ein Ernst ist, unsre Menschen- und Länderkenntnisß zu erweitern, unter Personen von allerlei Ständen. Die Leute von gutem Tone sehen einander in allen europäischen Staaten und Residenzen ähnlich, aber das eigentliche Volk, oder noch mehr der Mittelstand trägt das Gepräge der Stitten des Landes. Nach ihnen muß man den Grad der Cultur und Aufklärung beurtheilen.

Nicht in allen Provinzen von Deutschland sind Wege und Postanstalten gleich gut. Man muß dies in genaue Erwägung ziehn und darnach seine Verfügung treffen, besonders wenn uns daran gelegen ist, schnell fortzukommen.

Zum Reisen gehört Geduld, Muth, guter Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen und daß man sich kleine widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lasse. Dies ist doppelt zu empfehlen, wenn man einen Gesellschafter bei sich hat; denn nichts ist langweiliger und verdrießlicher, als mit einem Mann zu reisen und in einem Kasten eingesperrt zu sitzen, der stumm und mürrischer Laune ist, bei der geringsten unangenehmen Begebenheit aus der Haut fahren will, über Dinge jammert, die nicht zu ändern sind, und in jedem kleinen Wirthshause so viel Gemächlichkeit, Wohlleben und Ruhe fordert, als er zu Hause hat.

Das Reisen macht gesellig; man wird da mit Menschen bekannt und auf gewisse Weise vertraut, die wir außerdem schwerlich zu Gesellschaftern wählen würden; das ist auch weiter von keinen Folgen, und ich brauche wohl übrigens nicht zu erinnern, daß man sich hüten müsse, in der Vertraulichkeit gegen Fremde, die man unterwegs trifft, zu weit zu gehen und dadurch Abenteuern und Spitzbuben in die Hände zu fallen.

Ich rathe Niemand, sich auf Reisen einen fremden Namen zu geben; man kann dadurch, ehe man sich's versieht, in große Verlegenheit gerathen, undselten ist es nöthig, ein solches Incognito zu beobachten.

Manche Leute suchen etwas darin, auf Reisen zu prahlen, viel Geld zu verzehren, glänzen zu wollen und prächtig gekleidet zu sein. Das ist eine thörichte Eitelkeit, die sie in den Wirthshäusern theuer bezahlen müssen, ohne für ihr Geld mehr zu erhalten, als der einfache Reisende. Niemand erinnert sich weiter des Fremden, der viel Aufwand gemacht hat, wenn dieser weiter gereist und nichts mehr von ihm zu ziehn ist. Doch ist es der Klugheit gemäß, anständig, und was man in Niedersachsen rechtlich nennt, in seinem Anzuge zu sein, sich nicht zu vornehm und  nicht zu demüthig, nicht zu reich und nicht zu arm zu stellen, weil man sonst, in beiden Extremitäten, leicht entweder für einen unwissenden Pinsel, dessen erste Ausflucht dies ist, und den man also nach Gefallen prellen kann, oder für einen gewaltig vornehmen Herrn, von dem etwas zu ziehn ist, oder für einen Aventurier angesehn wird, dem man aus dem Wege gehn und der mit schlechter Bewirthung vorlieb nehmen muß. 

Man kleide sich bequem. Ein ungemächlicher Anzug macht behaglich, ungeduldig und müde.

Man spare auf der Reise nicht am unrechten Orte. So gebe man zum Beispiel den Postillons zwar nicht übertriebene, aber doch nach den Umständen reichliche Trinkgelder. Sie sagen sich das Einer dem Anderen auf den Stationen wieder; man kommt dann schneller fort und hat manche Vortheile davon.

Deutsche Posthalter, Wagenmeister und Postknechte pflegen in dem Rum einer ausgezeichneten Grobheit zu sein. Es kommt aber auf Alles auf die Art an, wie man ihnen umgeht, und ein ernsthaftes, von einer gewissen Würde begleitetes Betragen und, wo es anzubringen ist, ein freundliches Wort, das wird bei diesen Leuten selten ohne gute Wirkung angewendet.

Wenn man an den Wagen etwas zerbricht, so sind mehrentheils in den Städten die Handwerksleute sogleich bei der Hand, verstehen sich auch wohl mit dem Postillons, um den Schaden für viel größer auszugeben, als er ist, und destomehr Geld von uns zu ziehn. Ich rathe deshalb, bei solchen Gelegenheiten Alles selbst zu untersuchen oder durch treue Bediente untersuchen zu lassen, bevon man Befehl zur Ausbesserung gibt.

Die Postknechte sind größtentheils von den Gastwirthen bestochen, oder ein Wirth verabredet verabredet sich mit dem andern in der nahe gelegenen Stadt, um den Fremden gewisse Gasthöfe zu empfehlen, die darum aber weder die besten, noch die wohlfeilsten sind. Es ist daher vernünftig, sich hierher nicht zu verlassen, sondern sich bei andern sichern Leute zu erkundigen, wo man am besten und billigsten behandelt wird.

Nichts ist auf Reisen bei kaltem Wetter erwärmender und unschädlicher zu trinken als zuweilen ein wenig Weinessig.

Die Bedienten, die man mit sich auf Reisen nimmt, sollen wohl darauf Acht geben, dass die Postknechte, welche mit den Pferden zurückreiten, nicht, wie es vielfältig geschieht, Schwengel, Nägel oder andere Kleinigkeiten, die zum Wagen gehören, mitnehmen. Auch pflegen diese mit den Chaussee-Aufsehern sich zu verstehn, an den Weghäusern vorbei zu fahren, unter dem Vorwand, uns nicht aufhalten zu wollen, nachher aber eine Rechnung zu machen, vermöge deren wir doppelt so viel bezahlen müssen, als festgesetzt ist und man gegeben habe würde, wenn man das Wegegeld jedesmals selbst entrichtet hätte.

Es ist ein Gewohnheit der Postknechte, in allen Städten rasch zu fahren - eine Gewohnheit, die ihren Nutzen hat, und gegen welche man nicht eifern soll. Ist nämlich an der Kutsche etwas zerbrechlich, so würde es besser sein, wenn es da vollends bräche und risse, wo die Hilfe nahe ist, als auf offener Straße. Hält aber das Fuhrwerk die Probe des Rasselns auf dem Steinpflaster aus, so kann man hoffen, damit an Ort und Stelle zu kommen."

 

gefunden in "Vom Reiz der Eisenbahn" Ralf Roman Rossberg; Sigloch Edition

aber eigentlich stammt es aus "Über den Umgang mit Menschen" von Adolph Freiherr von Knigge

 

 

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