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22 Sep

Theatercafé Greifswald

Veröffentlicht von eine-reise-wert  - Kategorien:  #Deutschland kulinarisch

Die Neugier der Greifswalder und ehemaligen Greifswalder kennt keine Grenzen. Schon in den Morgenstunden, lange bevor das Theatercafé Greifswald die Türen öffnet, schaut man vorsichtig durch die Türen. Man bittet herein und heißt den Gast Herzlich Willkommen.

 

Erinnerungen an alte Zeiten werden wach: "Hier habe ich meine Hochzeit gefeiert.", "Ohje, es ist lange her, aber hier, genau hier fand unser Abiball statt." "Wissen Sie, wie es war, nach Kriegsende?" Man erfährt Geschichten von Greifswaldern, die man sonst nie zu hören bekommen würde: " Da, da war die Kuchentheke, dort die Küche. Ja, da war der Raum für das Personal. Hier oben habe ich mich gerne aufgehalten.", "Die Spiegel, ohne diese wäre es nicht das TC." TC ist die Abkürzung für das Theatercafé Greifswald, mit direktem Durchgang zur Stadthalle und unmittelbar am Theater. Wenn es nach den Aussagen dieser Gäste geht, das erste Haus am Platz und wenn es nach den Betreibern geht, schon sehr bald die erste Adresse in Greifswald.

Heute sieht man am Tresen eine Frau. Ich kenne sie seit Jahren. Damals war sie 17, Lehrling in Greifswald, ich knappe 33, stand unmittelbar vor der Scheidung. Sie unverbraucht, ich die Unruhe in Person. Knappe neun Jahre später ist ihr Körper gezeichnet. Bunte Tattoos schmücken sie ebenso wie das lange blonde Haar, welches sie nur halbseitig trägt. Sie lacht viel, auch wenn ihr zum Weinen zu mute ist. Sie besitzt eine Aura, die Menschen anzieht. Mit einem Laptop bewaffnet ist sie selten allein unterwegs. Heute sitzt diese Frau am Tresen. Aufmerksam liest sie ein Buch. Ich habe sie noch nie mit einem Buch in der Hand gesehen. Ihre Seitenzahl muss irgendwo bei 150 liegen. Ich bin verwirrt und freue mich sehr, diese junge, inspirierende Frau hier im Theatercafé noch einmal von einer neuen Seite kennenzulernen.

 

Eine Nachbarin betritt das TC an der richtigen Seite. Der Eingang ist nicht über die Terrasse, auch wenn an sonnigen Tagen die weit offen stehenden Türen verführerisch einladen. Mit großen weißen Buchstaben kennzeichnet ein schwarzes Schild den wahren Eingang. Durch eine weitere Tür betritt man den großen weiten Raum, einer kulinarischen Markthalle gleichend. Schilder weisen den Weg zur Brasserie, Trattoria, zum Café, zur Vinothek, zur Raucher-/Zigarrenlounge, zur großzügigen Spielecke und den Toiletten.

Meine Nachbarin hält inne, schaut nach oben und nach links. Ihr erster Blick bleibt bei einem Gemälde von Leonardo da Vinci hängen. Ein fahles Licht fällt auf seine "Mona Lisa" Natürlich ist das Gemälde nicht dem Louvre abgekauft. Es ist eines von vielen Gemälden, die die Brasserie im Theatercafé schmücken. Ihr zweiter Blick fängt die gigantischen Zweige in den übergroßen Vasen ein. Die Blütenfarben sind ein sacht glänzender Mix aus weißen Tönen, einem zarten Rosa und einem ebenso schmälerndem Violett. Sie wendet sich dennoch nach rechts. Dort geht es zum Cafébereich innerhalb des Theatercafés. Sie liebt den Plausch bei einer Tasse Kaffee und kann an einem Törtchen eine gute halbe Stunde genussvolle Momente zelebrieren. Sie sagt über sich: Sie könne das mit hausinterner Rezeptur hergestellte Eis nicht essen, sie habe Diabetes. Aber an die Törtchen, Cupcakes, Brownies und zuckerreichen Quark-Baisers kommt sie nicht vorbei: "Einmal am Tag sollte man sündigen.",: ist ihre Ausrede.

Eine Frau feiert mit ihrer Tochter und ihren zwei Enkeln ihren 63. Geburtstag. Pizza, "Huhn unterm Stein", Spaghetti, Fenchelsalat, Gemüserisotto und Steak mit Steakhousefritten werden von der Küche verlangt.

Sie vermisst an diesem Tag ihren Sohn, zu gerne hätte sie ihm das Theatercafé gezeigt. Ihr Mann, gestorben vor sechs Jahren, scheint in diesen Räumen lebendiger denn je zu sein. Er habe hier gekocht, die ganze Leidenschaft in das Essen und in diese Räume gesteckt: "Wenn er hier wäre, wüsste, dass es wieder Tanz im TC gäbe, er hätte keine  Veranstaltung ausgelassen. Er hätte die ersten Karten lange vor dem offiziellen Verkauf erworben.", da ist sich die ehrwürdige Dame sicher.  Die Tochter gibt ihr mit einem Lächeln im Gesicht Recht, auch wenn die Aussage leicht übertrieben klingt. Beide sind sich einig, als am 07.09.2012 das Theatercafé offiziell mit einer Tanzgala die (Wieder)Eröffnung feierte, wäre er dabei gewesen. In ihren Augen ist er es auch gewesen.

 

Im Auftragsbuch standen und stehen Veranstaltungen: Runde Geburtstage, Überraschungsparty, Einschulung, Goldenes Examen. Die Zahl der Reservierungen stößt an vielen Tagen an ihre Grenzen: Es ist lange her, dass man im besten Fall platziert, eventuell wird einen Tisch reservieren sollte, um Essen zu gehen,....

.... vielleicht sogar knappe zwanzig Jahre.

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O
I really like your story. I think it is too tough to find a solution for this problem. I think many are willing to sacrifice themselves to find the mortal means as well as to find the true eternity of the life.
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